Vorwort

Barbara Horlacher

Stadtammann Brugg


Hat Literatur ein Verfallsdatum? Man verzeihe die freche Frage. Literatur ist kein Produkt aus dem Kühlregal. Ob ein literarisches Werk Anklang findet, steht oftmals in den Sternen. Einerseits kann niemand ernsthaft behaupten, den Literaturmarkt zu überblicken, anderseits finden nicht immer jene Stimmen Gehör, die es verdienten.

 

Hat Literatur ein Verfallsdatum? Natürlich hat sie keines. Literatur wird für eine Ewigkeitverfast, selbst wenn diese Ewigkeit nur darin bestehen sollte, dass Bücher in Bibliotheken eingelagert werden, um dort friedlich ihrem physikalischen Ende entgegen zu schlummern.

 

Eine vielleicht weiterführende Frage: Was ist aus den Büchern geworden, die wir vor zwanzig oder dreissig Jahren gelesen haben? Existieren sie noch an einem anderen Ort als in unserer Erinnerung?

 

Schriftstellerinnen und Schriftsteller würden gerne Bücher verfassen, die über Jahre und Jahrzehnte hinaus aktuell bleiben. Zeitlosigkeit ist erwünscht. Wie entsteht sie? Lässt sie sich planen?

 

Schlagen wir einen Roman von Theodor Fontane auf, so tauchen wir in eine Zeit ein, die nicht mehr die unsrige ist. Vielleicht erfreuen wir uns seiner Sprachkraft, die der Meister der Figurensprache zur Entfaltung brachte, vielleicht sind es auch die Themen, die, bei entsprechender Adaption, gültig geblieben sind: Lässt man uns jenes Leben führen, das uns auf den Leib geschrieben ist? Begegnen wir jener Güte und Unterstützung, die wir für unsere persönliche Entwicklung benötigen? Haben Männer und Frauen, die damals in getrennten Welten lebten, endlich eine gemeinsame Sprache gefunden?

 

Wir werden an den Literaturtagen viel zu diskutieren haben. Dazu sind Sie herzlich eingeladen!

 

Barbara Horlacher, Stadtammann Brugg