Viele Themen, viele Geschichten, viele Sichten auf das Innere und das Äussere.
Wir begrüssen folgende Autor:innen aus der deutschsprachigen Schweiz und aus Deutschland bei uns an den Literaturtagen im 2026:
Urs Augstburger wurde 1965 in Brugg geboren. 2001 gelang ihm mit seinem Roman «Schattwand» der literarische Durchbruch. Neben seiner Tätigkeit als Autor ist Augstburger beim SRF tätig und lebt mit seiner Familie in Ennetbaden.
2026 wurde sein erstmals 2021 erschienener Brugg-Roman «Als der Regen kam» neu aufgelegt. Darin kehrt Mauro, der im Ausland lebt, in sein Heimatstädtchen an die Aare zurück um sich um seine
demenzkranke Mutter Helen zu kümmern. Alles ist geprägt von Ritualen, Tänzen und Gesängen. Der Tausch von Eichenblatt und Granatblüte ist ein Versprechen, das im Sommer 1956, als Mauros Mutter
daran teilnahm, noch einer Verlobung gleichkam. Überall werden Kränzchen geflochten und Blumen gesteckt, denn es ist Jugendfestzeit. Nach und nach wird ihm klar, dass seine Mutter ein
dramatisches Geheimnis mit dem Fest verbindet. An der Brugger Literaturtagen wird er gemeinsam mit Monika Schärer eine Liveperformance mit Textcollagen, historischen und aktuellen Filmaufnahmen,
Sound und Songs aufführen.
Aktuelles Buch: Der Berg der Namenlosen, Bilgerverlag
Jehona Kicaj, geboren 1991 in Kosovo, lebt in Göttingen. Sie hat Philosophie, Germanistik und Neuere Deutsche Literaturwissenschaften studiert.
Der ungewöhnliche Titel »ë« steht für einen Buchstaben, der in der albanischen Sprache eine wichtige Funktion hat, obwohl er meist gar nicht ausgesprochen wird. Als Kind von Geflüchteten aus dem Kosovo ist die Erzählerin auf der Suche nach Sprache und Stimme. Der Roman »ë« erzählt vom Kosovokrieg und erinnert an das Leid von Familien, die ihre Heimat verloren haben, deren ermordete Angehörige anonym verscharrt wurden und bis heute verschollen oder nicht identifiziert sind. Eine Vergangenheit, die nicht vergehen kann, weil sie buchstäblich in jeder Faser des Körpers steckt, wird von Jehona Kicaj im wahrsten Wortsinn zur Sprache gebracht.
Aktuelles Buch: ë, Wallstein
© Ladina Bischof
Béla Rothenbühler wurde 1990 in Reussbühl geboren. Er ist freischaffender Dramaturg, Autor und Sänger der Band «Mehltau». Sein in Luzerner Mundart verfasster Debutroman «Provinzhauptstadt» erschien 2021.
In seinem Roman «Polifon Pervers» (2024) erzählt er von zwei Freundinnen, die mit ihrem Verein «Polifon Pervers» und ihrer eigenen Vision von «Onderhaltig» die Kulturszene aufmischen. Als
Theater-Produzentinnen steigen sie zu nationalen Berühmtheiten auf und bald geht nicht mehr alles mit ganz legalen Mitteln zu und her. Béla Rothenbühler führt in seinem zweiten Roman die
Tradition des Schelmenromans fort – für einmal mit Hochstaplerinnen und auf Luzernerdeutsch.
Aktuelles Buch: Polifon Pervers, edition spoken script
© Ayse Yavas
Julia Weber wurde 1983 in Moshi (Tansania) geboren und zog 1985 mit ihrer Familie nach Zürich. Von 2009 bis 2012 studierte Julia Weber literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel.
2026 wurde Ihr dritter Roman «Weil ich Ruth bin» Veröffentlicht. Ruth kommt mit einem Fell zur Welt, am Ende der Kindheit verliert sie es. Und Ruth hat «die Kraft». Sie kann Gewitter aufziehen lassen, Bäche zum Versiegen bringen, Dinge bewegen. Aber vor allem kann sie Menschen in Tiere verwandeln, vorübergehend. Ruth teilt ihre Kraft mit jedem einzelnen Menschen, sie sehen bei ihr das Glück, sehen, was sein könnte und nicht ist, was sie vergessen haben und jetzt vermissen. Und sie hilft mit ihrer Kraft auch denen, die Gewalt erleben. In «Weil ich Ruth bin» trifft magischer Realismus auf eine sinnliche, einfühlsame Sprache.
Aktuelles Buch: Weil ich Ruth bin, Limmat Verlag
Charlotte Wittmer ist Akkordeonistin und spielt mit Stimme. Sie wurde an der Scuola Teatro Dimitri in Verscio ausgebildet. Seit 1990 spielt sie in der Kapelle Sorelle, war lange Mitglied des theater salto&mortale und tourte zwei Saisons mit Circus Monti durch die Schweiz. Mit diversen Produktionen der freien Theaterszene stand sie auf der Bühne und tritt aktuell mit viel Lust am Absurden und Clownesken mit Solo-Programmen auf.
Thomas Hochstrasser (*1963) lernte Maschinenmechaniker, studierte Architektur
an der HTL Brugg/Windisch und an der ETH Zürich. 2015 eröffnete er ein Architekturbüro, war bis 2025 Dozent an der Schweizerischen Bauschule Aarau und betätigt sich seit 2012 als Bildhauer.
© Petra Amerell
Silvio Blatter, geboren 1946 in Bremgarten, lebt in München und Zürich. Er malt, ist Autor und hat bereits über zwanzig Romane und Erzählungen veröffentlicht.
In seinem druckfrischen Erzählband «Für die Vögel» (2026) beschreibt er in zwölf Erzählungen, wie aus Zufall, Koinzidenz oder Zwangsläufigkeit tiefgreifende Wendepunkte im Leben verschiedener Menschen entstehen. Ein Mann begreift nach dem Einsturz der Brücke von Genua, wie knapp er dem Tod entronnen ist. Eine junge Frau verschwindet spurlos – und der Nachbar gerät unter Verdacht. Eine Japanerin bietet sich als Mietfreundin an, ein Mädchen erfindet sich den unbekannten Vater, in einer langen Ehe schwinden die Erinnerungen, und ein Musiker lässt sich in Chicago auf eine unerwartete künstlerische Begegnung ein. Blatter lässt in «Für die Vögel» Literatur, Kunst und Musik zu einem Schwergewicht werden, das seine eigene Anziehungskraft und Wirksamkeit besitzt.
Aktuelles Buch: Für die Vögel, Gepardenverlag
© David Fürst
Sarah Elena Müller, geboren 1990, arbeitet multimedial in Literatur, Musik, Virtual Reality, Hörspiel und Theater. Sie tritt im Mundart Pop Duo «Cruise Ship Misery» als Ghostwriterin und Musikerin auf und leitet das Virtual Reality Projekt «Meine Sprache und ich» – eine Annäherung an Ilse Aichingers Sprachkritik.
Mit «Unwucht» erscheint im Sommer 2026 Sarah Elena Müllers zweiter Roman. Sieben Jahre nach dem Ende ihrer Beziehung besucht die Protagonistin Alice ihren ehemaligen Freund Rio, um mit ihm über damals zu reden. Aber der Erfolg bleibt aus, Rio verliert sich zunehmend in kleinkriminellen Machenschaften rund um seine Drogensucht, die er vor Alice geheim zu halten versucht. Alice hält sich selbst als Kellnerin über Wasser. Sie klammert sich an eine Sammlung unfertiger Liebeslieder und verteidigt mit ihrem rostigen Auto den letzten Rest an Normalität zwischen Bruchbuden und Raves, zwischen Gefängnis und Sozialamt. Erstaunlich leicht und mit hintersinnigem Humor erzählt Sarah Elena Müller von dieser heillosen Liebe und der Macht und Ohnmacht des Erzählens.
Aktuelles Buch: Unwucht, Limmat Verlag
Mascha Unterlehberg, geboren 1990 in Mühlheim an der Ruhr, lebt in Berlin. Sie hat neben Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert.
«Wenn wir Lächeln» (2025) ist Unterlehbergs Debütroman. Das Buch spielt in den Nullerjahren und zeichnet eine Freundinnenschaft, die nicht perfekt ist. Als Jara zum ersten Mal auf Anto trifft, ist diese zwar die schlechteste Spielerin auf dem Fussballplatz, aber trotzdem mit Abstand die mutigste. Die beiden freunden sich an, und schnell ist klar: Ihre Schwesternschaft steht über allem – sie teilen Lipgloss, Cherry Cola und Gewaltfantasien. Jeden Abend ein neuer Plan, sie haben alles im Blick und alles im Griff. Bis ihnen Stück für Stück die Kontrolle entgleitet. Es bleibt die Frage: Wohin mit all der Wut?
Aktuelles Buch: Wenn wir lächeln, Dumont
Levin Westermann, 1980 in Meerbusch geboren, studierte Philosophie und Soziologie in Deutschland sowie am Schweizerischen Literaturinstitut. Er lebt als freier Schriftsteller in Biel.
Nach der Veröffentlichung mehrerer Gedichtbände erschien 2024 mit «Zugunruhe» sein Prosadebüt. Zugunruhe, das ist die Rastlosigkeit von Vögeln im Vorfeld ihrer Migration, die nächtliche Sehnsucht, das Gefühl, dem Lockruf der Ferne kaum noch widerstehen zu können – was im Umkehrschluss heisst: Nichts hält mehr an diesem Ort, der zusehends unwirtlich wird. Unwirtlich, geradezu verloren erscheint dem Protagonisten die Welt und was die Menschen in ihrem Fortschrittssturm daraus gemacht haben. Flankiert von Katastrophenmeldungen, von Weltraumkolonialisierungsträumen, streift er durch Deutschland und die Schweiz und protokolliert die ungezügelte Zerstörungswut der Menschen, die allen Warnungen zum Trotz nicht aufhört, jenen Sturm noch weiter anzufachen.
Aktuelles Buch: Zugunruhe, Matthes & Seitz